Was, wenn die alten Eltern nicht über Veränderungen reden wollen?

Wenn die Eltern altern, verändert sich vieles. Das merken nicht nur die Kinder, das spüren natürlich auch die Eltern selbst. Was aber tun, wenn ein Gespräch darüber nicht gelingt?

Viele Kinder beklagen es, dass man mit den alten Eltern nicht darüber sprechen kann, dass sie nicht über die Zukunft sprechen, sondern sich lieber erst damit auseinander setzen wollen, wenn die Umstände eingetreten sind. Und genau das wollen viele Kinder aber nicht. Sie würden gerne schon Veränderungen einleiten, bevor sich diese überraschend von einem Moment zum anderen zeigen und nach einer sofortigen Lösung verlangen.

Was ist genau Ihr Anliegen an Ihre Eltern?

Fragen Sie sich zunächst einmal selbst in aller Ruhe, warum Ihnen Veränderungen, Neuregelungen, Anpassungen so wichtig sind? Sind die Eltern wirklich aktuell gefährdet? Sehen Sie deren Wohlergehen in der jetzigen Situation nicht mehr gewährleistet? Oder befürchten Sie, dass möglicherweise plötzlich etwas auf Sie zukommen könnte, was Sie überfordern würde? Vielleicht fühlen Sie sich durch die aktuelle Lage in Ihrem persönlichen Leben stark eingeschränkt? Alle Gründe haben ihre Berechtigung und sollten mit den Eltern offen, aber behutsam besprochen werden.

Vertrauen schaffen und Gesprächsbereitschaft erreichen

Die alten Eltern auf Ihre Schwächen anzusprechen ist eine heikle Angelegenheit. Geht man es zu direkt an, wird schnell abgeblockt. Aus der Sicht der Kinder scheint es vernünftig, sich sachlich mit den anstehenden Themen auseinander zu setzen. Doch so leicht ist es für den alten Menschen nicht. Die selbst erkannten und erlebten Einschränkungen zu akzeptieren ist oft schwer. Im Alter muss man sich völlig neu kennenlernen. Viele Themen bereiten älteren und alten Menschen auch Unbehagen, lösen Ängste aus.

Oft haben alte Menschen keine Patientenverfügung, keine Vorsorgevollmacht, weil sie auch die Tragweite von Patientenverfügungen und Vollmachten falsch einschätzen. Sie befürchten die Aufgabe ihrer Kompetenzen. Bedenken Sie bei all Ihren Beweggründen: Auch wenn Eltern alt geworden sind, werden sie nicht automatisch zu Kindern. Sie haben ein Recht darauf, auch bei Hilfsbedürftigkeit ihre Selbstbestimmtheit zu behalten.

Jeder Mensch ist anders

Veränderungen ins Auge zu fassen, womöglich gar einen Umzug, braucht Zeit. Gerade im Alter z.B. das gewohnte Zuhause aufzugeben fällt vielen schwer. Nicht jeder ist vom Typ her geeignet für ein Leben im Seniorenheim oder einer Wohngemeinschaft. Während die einen das Leben in Gesellschaft der anderen Hausbewohner genießen, ziehen andere das Leben in ihrer eigenen Wohnung vor. Während die einen Angst vor Vereinsamung in der Wohnung haben, scheuen andere das Leben in der Gemeinschaft und den dort vorgegebenen Tagesrhythmus. Gemeinsam wohnen ist nicht jedermanns Sache. Dass diese unterschiedlichen Wesenszüge respektiert werden, ist für alte Menschen, die lieber in ihrer Wohnung bleiben möchten, sehr wichtig.

Behutsam annähern, nicht drängen

Oft ist das Verweigern eines Gespräches in der Angst begründet, zu etwas „überredet“ zu werden, was man im Innersten nicht möchte. Gehen Sie daher behutsam an die von Ihnen für notwendig gehaltenen Gespräche heran. Erklären Sie Ihren Eltern Ihre Beweggründe für die von Ihnen angedachten Veränderungen. Sprechen Sie über Ihre Sorge, aber auch offen über Ihre persönlichen Gründe. Wenn Ihre Eltern merken, dass Sie Ihnen nichts aufnötigen wollen, sondern ihre Selbstbestimmtheit respektieren, wird die Gesprächsbereitschaft wachsen.


Können wir nicht über etwas anderes reden von Roz ChastDie Cartoonistin Roz Chast hat ein anrührendes Buch zu diesem Thema geschrieben. Sie zeichnet und beschreibt das Altwerden ihrer Eltern. Mutter wie Vater weigern sich, ihre Hilflosigkeit anzuerkennen und über Pflege, Krankheit und Tod zu reden. Roz Chast gibt nicht auf, steht fortan wöchentlich auf der Matte und schleppt einen Seniorenanwalt ins Haus, der die misstrauischen Alten davon überzeugt, dass ihre Tochter nicht plant, ihr Vermögen für Kaschmirpullover auszugeben, nur weil sie eine Generalvollmacht bekommt. Die Erinnerungen von Roz Chast sind erfüllt von schwarzem Humor, großer Weisheit, Verzweiflung und Liebe und sprechen Gefühle und Erfahrungen an, die alle irgendwann machen müssen.

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